Prorektor Göbel durchgefallen – Juso-Hochschulgruppe fordert Rücktritt von Rektor Schareck

 
Nach der Abwahl von Prorektor Prof. Dr. Stefan Göbel in der gestrigen Konzilssitzung fordert die Juso-Hochschulgruppe den Rücktritt des Rektors der Universität Rostock Prof. Dr. Wolfgang Schareck. Auf der Sitzung sollten die nicht-studentischen Mitglieder des Rektorates gewählt werden, dabei fiel Prof. Dr. Stefan Göbel, der sich erneut um das Amt des Prorektors für Studium und Lehre bewarb, als  ausdrücklicher Wunschkandidat und langjähriger Weggefährte des Rektors durch.
„Das gestrige Wahlergebnis ist der letzte Beweis, dass Rektor Schareck in allen Statusgruppen nicht mehr genügend Rückhalt genießt, um seine hochschulpolitische Agenda umzusetzen.“, sagt Jacqueline Dejosez Sprecherin der Juso-Hochschulgruppe Rostock. „Das Scheitern des langjährigen Protegés und inoffiziellen Kronprinzen des Rektors Prof. Dr. Göbel ist nur der bisherige Höhepunkt in einer langen Liste von Fehlschlägen für den Rektor in den vergangenen Monaten.“, so Dejosez weiter.
Neben der gestrigen gescheiterten Wiederwahl, wurde jüngst die von Schareck vorgeschlagene Einführung einer Verwaltungskostenpauschale für Studierende mit überwältigender Mehrheit vom Senat der Universität abgelehnt. Daneben ist die Umverteilung von Forschungsgeldern aus Drittmittel-Programmpauschalen in den Bereich der Verwaltung am universitätsinternen Widerstand, insbesondere aus den Fachbereichen der angewandten Wissenschaften, gescheitert. Besonders belastend dürfte für den Rektor auch der Rechtstreit Universität gegen Universität sein: Das Verfahren zur Ehrenpromotion von Edward Snowden mit dem Rat der Philosophischen Fakultät rund um den ehemaligen Dekan Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski auf der einen und Prof. Dr. Schareck auf der anderen Seite beschäftigt mittlerweile die Gerichte. Darüber hinaus wird innerhalb der Universitätsgremien die Rolle Scharecks in den Verhandlungen mit dem Bildungsministerium rund um den Bericht des Landesrechnungshofes und die Verteilung der sogenannten BAföG-Millionen immer offener in Frage gestellt.
„Für uns passt es nicht zusammen, dass noch im März von Schareck per Pressemitteilung behauptet wird, die Universität sei mit der Einigung mit dem Bildungsministerium für die nächsten Jahre auskömmlich finanziert, um nur Wochen später plötzlich Studierende mit Verwaltungsgebühren und Forschende mit der Umverteilung ihrer eingeworbenen Forschungsgelder zur Kasse zu bitten. Entweder war er sich der wahren finanziellen Lage der Universität in den Verhandlungen mit dem Bildungsministerium nicht bewusst oder er hat die Universitätsgremien und die Öffentlichkeit bewusst getäuscht. Beides ist absolut inakzeptabel.“, fasst Dejosez die Stimmungslage in der Universität zusammen. In dieser Situation sei es nicht verwunderlich, dass Scharecks „rechte Hand im Rektorat“ am Widerstand des höchsten Gremiums der Universität gescheitert sei.
Besonders bezeichnend sei die Reaktion des Rektors nach Verkündigung des Wahlergebnisses gewesen, führt Dejosez weiter aus. Der Rektor habe keinerlei Stellungnahme zum Scheitern seines Wahlvorschlags abgegeben, sondern sei überstürzt zu den Feierlichkeiten zum Jubiläum der Kinderuniversität aufgebrochen. Auch in der offiziellen Pressemitteilung des Rektorats zur Konzilssitzung sucht man vergeblich einen Hinweis zur gescheiterten Wahl von Prof. Dr. Göbel. „Das bei aller berechtigten Kritik, die man am Kandidaten haben kann, man sich nach seinem Scheitern von ihm abwendet und sich nicht mit einem Wort für seine jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit für die Universität bedankt, ist bezeichnend für den Politikstil des Rektors. Das gesamte Vorgehen zeigt ein Ausmaß an Realitätsverweigerung und Wagenburg-Mentalität, wie man sie im Politbüro im Endstadium beobachten konnte.“, konstatiert Katharina Wilke, Landeskoordinatorin der Hochschulgruppen. „Für uns ist der Rektor spätestens seit gestern untragbar geworden. Er sollte der beinahe 600-jährigen Universität einen letzten Dienst erweisen und Konsequenzen ziehen.“, fasst die Landeskoordinatorin der Juso-Hochschulgruppen ihre Forderung zusammen.
Nach dem Scheitern des Wunschkandidaten des Rektors auf der gestrigen Konzilssitzung muss der Senat der Universität auf einer seiner nächsten Sitzungen dem Konzil eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten vorschlagen, der sich dann zur Wahl stellt. Die Amtszeit des bisherigen Prorektors für Studium und Lehre läuft Im Oktober aus. Unklar ist, ob er bis zu diesem Zeitpunkt oder, wenn bis dahin keine neue Person gewählt werden kann, darüber hinaus kommissarisch sein Amt fortführt. Die Amtsinhaberin für das Prorektorat  für Internationalisierung, Gleichstellung und Vielfaltsmanagement, Frau PD Dr. Bettina Eichler-Löbermann wurde beinahe einstimmig wiedergewählt, während der Neueinsteiger im Rektorat und bisherige Dekan der Interdisziplinären Fakultät Prof. Dr. Udo Kragl für das Amt des Prorektors für Forschung und Forschungsausbildung ebenfalls ein klares Mandat erhielt.

 

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